26. Heimattag in Hollfeld am 14.- 16. Juli 2017

Schirmherr: Hartmut Koschyk MdB

Programmablauf:

Freitag, 14.07.2017

Totenehrung an der Schüttersmühle mit musikalischer Begleitung der Stadtkapelle Pottenstein
Heimatabend: „So singd und schbilld me bai uns" in der Stadthalle
Wortbeiträge von Günther Hofmann und Walter Tausenpfund
Musikalischer Rahmen: Gangolfkapelle, Drosendorfer Sängerinnen, Liederkranz Hollfeld

Samstag, 15.07.2017

FSV - Kommersabend im „Wittelsbacher Hof" 
Festvortrag Prof. Dr. Herbert Popp
Walther Appelt: Vorstellung der neuen Männertracht
Musikalischer Rahmen: Musikschule (Gitarrengruppe)

Sonntag, 16.07.2017 Fahneneinmarsch in die Kirche
Gottesdienst und Totenehrung
Festzug
Abschlussveranstaltung mit Musik: Hochstahler Blasmusik

Totengedenken in der Schüttersmühle

Das Totengedenken zum Auftakt des Heimattages folgt einem festen Ritual und es findet immer in der Schüttersmühle statt, dem Ort, an dem der FSV 1901 gegründet worden ist.

Um 16 Uhr traf sich die Hauptvorstandschaft mit einer Abordnung der veranstaltenden Ortsgruppe Hollfeld sowie der OG Kirchenbirkig als Ausrichter des Totengedenkens unter Leitung von Dieter Bauernschmitt. Zusammen mit der Blaskapelle Pottenstein und dem Bürgermeister der Gemeinde Pottenstein, Stefan Frühbeißer begab sich die Gruppe zum Gedenkstein an der Felsmauer, um der Toten des FSV zu Gedenken. Zum Auftakt spielte die Musik den Choral "Gebet von Mozart". Danach erinnerte der 1. Hauptvorsitzende zuerst an die Vereinsgründung durch Pfarrer Tremel und dann an die Wiedergründung 1947 durch den damaligen Landrat von Ebermannstadt Rudolf Eberhardt. Anschließend in einer Gedenkminute gedachte er der verstorbenen Vereinsmitglieder der letzten beiden Jahre.

Mit dem Lied "Wir hatten einen Kameraden" wurde das Gedenken an die Toten vertieft. Danach kehrt die Gegewart zurück in Form des "Frankenliedes", das viele Anwesende mitsangen. Anschließend eilte die Gesellschaft nach Hollfeld, um mit dem Volksmusikabend den 26. Heimattag der Fränkischen Schweiz zu eröffnen.


 

Festzug am Sonntag

 

Festkommers

Der Kommersabend anlässlich des 26. Heimattages war beschämend gering besucht. Gerade mal 19 Vereinsmitglieder hatten sich eingefunden, darunter ein starke Abordnung des Hollfelder Heimat- und Verschönerungsvereins, um der Verleihung des Kulturpreises an Georg Knörlein und dem Grußwort des Schirmherrn Hartmut Koschyk MdB, beizuwohnen. Interessant wurde es, als Dr. Herbert Popp sein neuestes Projekt "Zwergstädte in der Fränkischen Schweiz" vorstellte. Vor allem seine Abgrenzung des Gebietes der Fränkischen Schweiz: Weismain gehört dazu, Pegnitz und Forchheim aber nicht, rief den starken Protest des Schirmherrn hervor.

Kulturausschussvorsitzender Walter Tausendpfund hielt die Laudatio auf Georg Knörlein, der nach seiner Recherche 1948 geboren, 1975 geheiratet und seit 1970 als Lehrer, zuletzt in Kirchehrenbach bis 2013 arbeitete. Seither ist er in vielfältiger Weise als Ehrenamtlicher unterwegs. Seit 1979 baut und betreut er die Fränkische Schweiz-Bibliothek, die mittlerweile auf 19 000 Einheiten angewachsen ist und die komplette Reiseliteratur der Region seit dem 19. Jahrhundert in Kopien enthält. Ein weiterer heimatkundlicher Schatz ist eine komplette Kopie des Wiesentboten, die Originale des Bamberger Volksblattes von 1948-68 und die seit Anfang an gesammelten heimatkundlichen Artikel in den Lokalzeitungen. Mehr als 6000 Arbeitsstunden hat Knörlein in den Aufbau der Bücherei investiert.

Knörlein ist außerdem Archivpfleger des Landkreises Forchheim und hat in dieser Eigenschaft die Archive von 70 Gemeinden inventarisiert. Er ist zudem Kirchehrenbacher Heimatforscher, der auch hier schon viele Publikationen veröffentlicht hat und er wirkt in zahlreichen Publikationen, wie der Chronik von Forchheim und in der Buchreihe anlässlich 1000 Jahre Bistum Bamberg mit. Daneben war Knörlein zwölf Jahre Gemeinderat und viele Jahre Geschäftsführer des Tourismusvereins Rund ums Walberla-Ehrenbürg. 1. HV Reinhardt Glauber nahm die Ehrung vor und dankte der Frau des Kulturpreisträgers Sylvia Knörlein für die Bereitschaft, ihren Mann in seinen Ehrenämtern zu unterstützen. Weiterhin ehrte Glauber, zusammen mit dem Ortsgruppenvorsitzenden Oskar Pirkelmann Renate Taschner, die seit 1995 als zweite Vorsitzende agiert mit der Auszeichnung Gold mit Kranz und Margarete Degen, die dem Verein seit 40 Jahren die Treue hält.

Der Vortrag von Herbert Popp über sieben Städte der Fränkischen Schweiz erregte die Gemüter, weil er Weismain dazu nahm aber nicht Pegnitz und Forchheim. Er begründete seine Entscheidung mit einer Befragung von Einheimischen und damit, dass es keine allgemeingültigen Regionsgrenzen gibt. Trotzdem bleibt ein Rätsel warum er gerade Weismain aufnimmt, obwohl laut seinem eigenen Schaubild, nur sehr wenige Menschen den Ort überhaupt mit der Fränkischen Schweiz in Verbindung bringen; ebenso die Entscheidung für Litzendorf; einem Ort der seit einigen Jahren viel Geld in den Aufbau einer eigenen Marke, der "Fränkischen Toskana" steckt. Und auch seine Recherchen in den Kleinstädten, darunter neben Weismain noch Betzenstein, Waischenfeld, Pottenstein, Ebermannstadt, Gräfenberg und Hollfeld, riefen manche Widersprüche hervor. So ist seine Behauptung, Hollfeld sei erst 1408 zur Stadt erhoben worden falsch, oder, dass Waischenfeld kein Scheunenviertel hat, was auch nicht stimmt. Im Prinzip soll das Projekt Vergleiche ziehen zwischen der Infrastruktur der Städte und belegen, warum aus den meisten FS-Städten keine Großstädte wurden. Er wählte deshalb den Begriff "Zwergenstädte". Sein Resümee: Diese sieben Städte können nur durch einen verstärkten Kulturtourismus "wach geküsst" werden. Hartmut Koschyk wie auch Hollfelds Bürgermeisterin Karin Barwisch widersprachen seiner Behauptung vom Wachküssen. Koschyk warnte sogar davor, die Grenzen der Region abschließend zu behandeln, da dies eigentlich eine politische Entscheidung sein soll. Schließlich hat die Politik auch die derzeitigen Grenzen aus einer bestimmten Erfahrung heraus so. Die Abgrenzung könnte für Unruhe und Missmut sorgen, mit der Folge, dass manche Kommune oder Kreis aus gemeinsamen Projekten aussteigen. Das soll unbedingt vermieden werden.

Schirmherr Koschyk unterstützt die derzeitigen Bemühungen des FSV, die Region zu einer Premiumwanderregion auszubauen; mit entsprechend ausgebildeten Wander- und Wegewarten und einem durchgängig beschilderten neuen Wegenetz nach den Vorgaben des Deutschen Wanderverbandes. Er bezeichnete das Vorhaben sogar als "vorbildlich" weil hier in Zusammenarbeit von fünf Landkreisen "über den Tellerrand hinausgeschaut wird". Damit wird eine nachhaltige ressourcenschonende touristische Entwicklung angestoßen, die es erlaubt, "den Lebensraum für Kinder und Enkel zu bewahren". "Heimat, Identität und Glaube braucht der Mensch, um in Zukunft zu bestehen", so Koschyk weiter. Daher braucht die Region den FSV jetzt dringender als je zuvor- so seine Einschätzung.

Zum Schluss des Abends stellt der neue AK-Leiter Walter Appelt die erneuerte Herrentracht vor. Nach seiner Recherche entstand diese erstmals um 1800, als die bis dahin gültiger Kleiderordnung aus Kraft gesetzt wurde. Die Fränkische Männertracht entstand aus der französischen Militäruniform und dürfte geprägt worden sein, durch die französischen Besatzungen und Durchzüge im 18. Jahrhundert. Farbige Unterschiede wurden durch die Religion bestimmt, ansonsten waren die Männer in ganz Franken ähnlich gekleidet. Die erneuerte Tracht folgt historischem Vorbild, soll aber auch der heutigen Mode entsprechen. Darüber hinaus gilt, was früher schon galt: wer mehr Geld investiert, bekommt auch mehr, z.B. eine Lederhose aus Ziegenfell oder Westenknöpfe aus goldenen Geldstücken. "Nach oben sind keine Grenzen gesetzt", meinte Appelt. Die musikalische Ausgestattung des Kommersabends übernahm die Hollfelder Musikschule.

Kulturpreis an Georg Knörlein Schirmherr Koschyk MdB Walter Appelt, AK Männertracht

Text und Fotos: Pressewart Reinhard Löwisch

 

Heimatabend: "So singt und spillt mer bei uns"

Mit rund 200 Menschen gut gefüllt, war die Stadthalle in Hollfeld, als zum Auftakt des
26. Heimattages ein Volksmusikabend nach gewohntem Muster über die Bühne ging. Es gab drei Musikgruppen die Eberhard Hofmann, früherer Leiter des AK Volksmusik, samt ihrer Musik vorstellte. Es gab abwechselnd dazu die mundartlichen Wortbeiträge von Walter Tausendpfund und es gab nachdenkliche Worte des Hollfelders und Bayreuther Heimatpflegers Günther Hofmann, der seine Gedanken zur Entwicklung seiner
1000-jährigen Stadt vortrug. Die 4. FSV-Hauptvorsitzende und Bürgermeisterin von Hollfeld, Karin Barwisch übernahm die Begrüßung der Gäste, darunter als Ehrengäste Landrat Dr. Hermann Ulm (Forchheim) und die Bürgermeister Escher (Plech) und Pirkelmann (Waischenfeld). Oskar Pirkelmann, Chef des Heimat- und Verschönerungsvereins und früherer FSV-Hauptvorsitzender (nicht verwandt mit dem Waischenfelder Bürgermeister) hieß alle Gäste ebenfalls herzlich willkommen und betonte, dass der Heimattag auch die Aufgabe habe, "dass Flair der Fränkischen Schweiz nach außen zu tragen". Besonders im Hinblick auf den Nachwuchs mahnte er die meist älteren Anwesenden, auf die Jugend zuzugehen und sie auf die Rolle als Vereinsnachwuchs rechtzeitig vorzubereiten.

Der FSV-Kulturpreisträger Günther Hofmann (76) berichtete nicht, wie erwartet, mit ellenlangen Zahlenkolonnen aus der Chronik seiner Heimatstadt. Er brachte seine eigene Gedankenwelt zu Wort. Darin wird vor allem die Liebe zu seiner Heimat deutlich, zu den Kulturlandschaften der Umgebung, zu den alten Gebäuden und Denkmälern früherer Zeit, "die uns noch heute ihren Charme zeigen und uns Kraft, Schutz und Sicherheit geben". Er mahnte dieses Erbe zu erhalten und aus der Erfahrung im Umgang damit, die Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen. Getreu seinem Motto "Die Macht des Geldes macht den Menschen krank" setzte er sich dafür ein, die natürlichen Ressourcen und damit die Umwelt zu schonen, damit auch künftige Generationen davor profitieren. Der Windkraft erteilte er eine Absage, weil in der Fränkischen Schweiz "nur Schwacher Wind weht", Fotovoltaik und Wasserkraft würden hier bessere Resultate erzielen. Eine weitere Erkenntnis seines langen Lebens: "Tourismus formt ganze Landstriche und verändert eine Landschaft". Damit meint er: "Nicht der Bierweg ist wichtig, sondern die Naturlandschaft in all ihren Facetten". Und er zählte eine Vielzahl von Tieren auf, die es hier in der "Hollfelder Mulde" noch gibt. Sein ganz besonderes Augenmerk galt dem Trinkwasser, dass gerade hier in der Gegend noch sehr reichlich und sehr sauber vorhanden ist. Das Wasser muss unbedingt geschützt werden. "Es ist ein unverzichtbarer Garant für gesundes Leben, für hohe Lebensqualität".

Die Musik an diesem Abend war sehr gut ausgewählt. Die fünfköpfige Hollfelder Gangolfkapelle mit dem Leiter Franz Zwosta und einigen Musiker, die von anderen Kapellen her schon bekannt sind spielte klassische Volksmusik wie Rheinländer und Dreher. Die Drosendorfer Sängerinnen unter Leitung von Hans-Jürgen Huppmann, spielte mittelalterliches (Lustig, lustig ihr lieben Brüder) und auch volkstümliches. Der Liederkranz Hollfeld, er besteht seit 1865 ist ein gemischter Chor, der sich auf heimisches Liedgut (In Franken is schö) eingesungen hat. Es war ein kurzweiliger Abend nach gewohntem Muster, der vom Verschönerungsverein organisiert worden war.

Text und Bilder:
Reinhard Löwisch